Interview


Herr Stamm, wie kam es zu der Entwicklung eines eigenen Sattels?

»Unser Ziel war es einen Sattel zu entwickeln, der den Ansprüchen der modernen Islandpferdezucht gerecht wird. Die Islandpferde werden nämlich immer schmaler und kürzer. Gleichzeitig sitzt der Reiter heutzutage mittig im Schwerpunkt des Pferdes. Dieser Entwicklung wurden viele Sättel bisher nicht gerecht

Was genau ist falsch an den bisherigen Sätteln?

»Die herkömmlichen Sättel mit ihrer großen Auflagefläche sind schlicht und einfach zu lang für die Pferde. Die Sitzkissen ragen bis in den Bereich der Lendenwirbel der Tiere. Dabei drücken diese Sättel den Pferden auf die Nieren, was für die Tiere sehr schmerzhaft ist. Die Pferde laufen dann buchstäblich vor diesem Schmerz davon

Und die PS-Sättel sind anders?

»Ja, unsere Sättel sind besonders kurz. Alle PS-Sättel liegen maximal bis zum 18. Brustwirbel auf. Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass sogenannte Problempferde mit einem kurzen Sattel ganz ruhig wurden und sich problemlos reiten ließen.«

Warum ist Schwerpunkt des Reiters bei den PS-Sätteln weiter vorne?

»Die Meinung, der Reiter solle weit hinten sitzen, um das Pferd zum tölten zu bringen, ist völlig veraltet. Der Sitzschwerpunkt des Reiters ist idealerweise im Bereich des 14./15. Brustwirbels und keinesfalls dahinter. Dadurch wird zum einen die Brückenfunktion der Wirbelsäule optimal genutzt, um langfristige Rückenschäden der Pferde zu vermieden. Zum anderen wird das Pferd durchlässig für die Kommandos des Reiters

Wird damit nicht die Bewegungsfreiheit des Pferdes eingeschränkt?

»Genau aus diesem Grund haben unsere PS-Sättel ein stark zurück geschnittenes Schweißblatt. Damit können die Pferde weit vorne gesattelt werden, ohne die Schulterfreiheit der Tiere zu behindern

Welche Resonanz haben Sie von Tierärzte und Osteopathen zu Ihren Sätteln bekommen?

»Gerade die Tiermediziner im täglichen Kontakt mit Pferden, die Rückenschäden aufgrund zu langer Sättel davon getragen haben, bestätigen unser Konzept. Ein positives Echo von dieser Seite ist natürlich besonders schön

Warum werden PS-Sättel ausschließlich an den Pferdeställen vor Ort verkauft?

»Die entscheidenden Punkte des 14./15. sowie des 18. Brustwirbels müssen bei jedem Pferd individuell vor Ort bestimmt werden. Darum vermessen wir erst jedes Pferd ganz genau und suchen erst danach den passenden Sattel aus

Und Sie finden für jedes Pferd immer den passenden Sattel?

»Unser Ziel ist es immer, einen Sattel zu finden, bei dem die Kissenform mit der Rückenform des Pferdes übereinstimmt, um eine gleichmäßige Druckverteilung zu garantieren. Deshalb bringen wir zu jeder Sattelanpassung viele Sättel in verschiedenen Kissenformen mit. Aber wir verkaufen unsere Sättel natürlich nur dann, wenn sie Pferd und Reiter zu 100% richtig passen. Dabei gibt es keine Kompromisse!«

Was machen Sie, wenn sich dennoch herausstellt, dass ein Sattel nach der Anprobe nicht richtig passt?

»Die kann tatsächlich vorkommen, insbesondere wenn sich die Muskulatur der Tiere verändert – zum Beispiel durch intensive Bodenarbeit. In diesem Fall bieten wir eine Neueinstellung der Sattelkammer oder eine Nachpolsterung der Sättel an. Und wenn der Reiter mit dem Sattel dann immer noch nicht zufrieden ist, nehmen wir diesen auch zurück!«