Alle PS-Sättel

  • sind schulterfrei durch ein stark zurückgeschnittenes Schweißblatt,
  • verfügen über einen breiten Kissenkanal und Trapezmuskelfreiheit und
  • ragen maximal bis zum 18. Brustwirbel und drücken nicht in die Lendenpartie.

 

Anatomie und Sattellage

Der Rücken Ihres Pferdes ist entscheidend!

Wir wählen das Sattelmodell immer nach dem Rückentyp Ihres Pferdes aus. Der Schwung des Sattelbaumes muss dem Verlauf des Pferderückens entsprechen.

Denn ein Sattel mit geradem Baum führt auf einem Pferd mit geschwungenem Rücken zur Brückenbildung – der Sattel liegt im vorderen und hinteren Bereich punktuell stark auf. Dagegen wird ein Sattel mit geschwungenem Baum auf einem Pferd mit geradem Rücken besonders in der Bewegung anfangen zu kippeln.

 

Gerader Rücken (links) und Senkrücken (rechts)

Gerader Rücken (links) und Senkrücken (rechts)

 

Aus veterinärmedizinischer Sicht gibt es folgende Anforderungen an einen modernen Sattel:

  • maximale Schulterfreiheit,
  • breiter Kissenkanal und Trapezmuskelfreiheit,
  • Auflagefläche bis maximal zum 18. Brustwirbel.
Belastungsmitte nach Prof. Dr. Hertsch

Belastungsmitte nach Prof. Dr. Hertsch

 

1. Maximale Schulterfreiheit:

Nur bei einem weit zurück geschnittenen Schweißblatt kann das Bewegungspotential der Pferde optimal ausgenutzt und die maximale Schultermuskulatur aufgebaut werden. Je besser die Schultermuskulatur ist, desto größer ist die Rutschfestigkeit des Sattels. Ist die volle Bewegungsfreiheit der Schulter nicht gegeben, wird der Raumgriff der Vorhand eingeschränkt. Im schlimmsten Fall stolpern die Pferde sogar.

2. Breiter Kissenkanal und Trapezmuskelfreiheit:

Die Brustwirbelsäule des Pferdes mit ihren 18 Brustwirbeln hat insbesondere im Bereich des Widerrists lange Dornfortsätze, die ungeschützt unter der Haut liegen. Die tragfähige Rückenmuskulatur verläuft seitlich der Wirbelsäule. Ein breiter Kissenkanal, der eine vollständige Entlastung der Wirbelsäule garantiert, ist daher zwingend erforderlich! Ein enger Kissenkanal drückt dem Pferd schmerzhaft auf die Dornfortsätze und behindert damit das enorm wichtige Aufrichten des Rückens in der Bewegung.

Insbesondere im Bereich des Trapezmuskels am Widerrist darf der Sattel nicht drücken. Hier muss die Vorderzwiesel des Sattels weit genug ausgestellt sein. Ist der Sattel hier zu eng, bildet sich der Trapezmuskel zurück.

3. Auflagefläche bis maximal zum 18. Brustwirbel:

Pferde tragen hinter dem Widerrist in ihrem Masseschwerpunkt am besten. Bei Kleinpferden liegt dieser im Bereich des 14./15. Brustwirbels.

Liegt der Sattel zu weit hinten, schafft das Pferd es nicht mehr den Rücken aufzurichten und drückt ihn stattdessen nach unten weg. Ein gesundes Pferd wölbt den Rücken mit Reiter auf, tritt mit der Hinterhand kraftvoll unter und überträgt den Schub durch die Rückenmuskulatur nach vorne. Die Hinterhand kann damit zum viel beschriebenen „Motor des Pferdes“ werden.

Die Lendenwirbelsäule ist wegen ihrer Querfortsätze auch weniger beweglich. Wenn die Sattelkissen zu weit in den Bereich der Lendenwirbel ragen, kann dies zu schweren Blockaden führen. Sitzt der Reiter zu weit hinten, wird zudem die Atmung der Pferde beeinträchtigt. Denn die hinteren Rippen, die sogenannten Atmungsrippen, müssen genug Bewegungsfreiheit haben, um eine gute Atmung zu gewährleisten.

 

Quelle: Bodo Hertsch, Anatomie des Pferde, 5. Auflage, FNverlag 2012