Anatomie und Sattellage – Der Rücken Ihres Pferdes ist entscheidend!

Wählen Sie das Sattelmodell unbedingt nach dem Rückentyp Ihres Pferdes aus. Der Schwung des Sattelbaumes muss dem Verlauf des Pferderückens entsprechen.

Legen Sie einen Sattel mit geradem Baum auf ein Pferd mit geschwungenem Rücken auf, so liegt der Sattel im vorderen und im hinteren Bereich punktuell stark auf – mit der Folge einer Brückenbildung.

Dagegen wird ein Sattel mit geschwungenem Baum auf einem Pferd mit geradem Rücken besonders in der Bewegung anfangen zu kippeln.

Aus veterinärmedizinischer Sicht gibt es folgende Anforderungen an einen modernen Sattel:
· maximale Schulterfreiheit,
· breiter Kissenkanal und Trapezmuskelfreiheit,
· Auflagefläche bis maximal zum 18. Brustwirbel.

 

1. Maximale Schulterfreiheit:

Nur bei einem weit zurück geschnittenen Schweißblatt kann das Bewegungspotential der Pferde optimal ausgenutzt und die maximale Schultermuskulatur aufgebaut werden. Je besser die Schultermuskulatur ist, desto größer ist die Rutschfestigkeit des Sattels. Ist die volle Bewegungsfreiheit der Schulter nicht gegeben, wird der Raumgriff der Vorhand eingeschränkt. Im schlimmsten Fall stolpern die Pferde sogar.

2. Breiter Kissenkanal und Trapezmuskelfreiheit:

Die Brustwirbelsäule des Pferdes mit ihren 18 Brustwirbeln hat insbesondere im Bereich des Widerrists lange Dornfortsätze, die ungeschützt unter der Haut liegen. Die tragfähige Rückenmuskulatur verläuft seitlich der Wirbelsäule. Ein breiter Kissenkanal, der eine vollständige Entlastung der Wirbelsäule garantiert, ist daher zwingend erforderlich! Ein enger Kissenkanal drückt dem Pferd schmerzhaft auf die Dornfortsätze und behindert damit das enorm wichtige Aufwölben des Rückens in der Bewegung.

Insbesondere im Bereich des Trapezmuskels am Widerrist darf der Sattel nicht drücken. Hier muss die Vorderzwiesel des Sattels weit genug ausgestellt sein. Ist der Sattel hier zu eng, bildet sich der Trapezmuskel zurück.

3. Auflagefläche bis maximal zum 18. Brustwirbel:

Pferde tragen hinter dem Widerrist in ihrem Masseschwerpunkt am besten. Bei Kleinpferden liegt dieser im Bereich des 14./15. Brustwirbels.

Liegt der Sattel zu weit hinten, schafft das Pferd es nicht mehr den Rücken aufzuwölben und drückt ihn stattdessen nach unten weg. Ein gesundes Pferd wölbt den Rücken mit Reiter auf, tritt mit der Hinterhand  kraftvoll unter und überträgt den Schub durch die Rückenmuskulatur nach vorne. Die Hinterhand kann damit zum viel beschriebenen „Motor des Pferdes“ werden.

Die Lendenwirbelsäule wegen ihrer Querfortsätze auch weniger beweglich. Wenn Sattelkissen zu weit in den Bereich der Lendenwirbel ragen, kann dies zu schweren Blockaden führen. Sitzt der Reiter zu weit hinten, wird zudem die Atmung der Pferde beeinträchtigt. Denn die hinteren Rippen, die sogenannten Atmungsrippen, müssen genug Bewegungsfreiheit haben, um eine gute Atmung zu gewährleisten.

 

Quelle: Bodo Hertsch, Anatomie des Pferde, 5. Auflage,  FNverlag 2012